Carolyn Heinz, SECUNDO, 2011

Tuschen und Videoarbeiten zeigt Esther Naused in ihrer neuen Ausstellung >SECUNDO< in der Galerie Carolyn Heinz.

Nauseds Tuschearbeiten auf Papier sind Konstruktion und freier prozesshafter Entwurf zugleich. Durch kompositorische Kraft und rein malerische Mittel entwickelt sie eine weit in die Tiefe eindringende Perspektive.

Obwohl flüchtige Momente der Erinnerung an alltägliche Eindrücke hineinspielen, bleiben Nauseds Tuschearbeiten ungegenständlich. Geheimnisvolle Räume tun sich dem Betrachter auf, ohne dass er sich eindeutig im Drinnen oder Draußen verorten könnte. Sichtblockaden und Durchblicke, feste Strukturen und fließende Oberflächen, Horizonte und Spiegelungen – und immer spielt das Licht eine entscheidende Rolle. Mal sind es dynamische Formationen, mal stille, sanfte Raumbilder.

Die Schönheit dieser alltäglichen, flüchtigen Momente, deren Wahrnehmung eine besondere Sensibilität und Aufmerksamkeit verlangt, hält die Künstlerin in ihren Videos fest. Sie setzen sich zusammen aus einer ganzen Sequenz solcher kleiner >Wunder<. Manchmal erkennt man, was dahinter steckt, meist ist es jedoch gerade die Abstraktion, die an diesen Prozessen fasziniert, so dass im Verlauf der Betrachtung die Suche nach den realen Vorgängen der Phantasietätigkeit weicht. Licht und Schatten, zartes Fließen und impulsives Strömen, harte Kontraste versus weich ineinander übergehende Strukturen sind auch hier zentrale Themen.

Es können langsame Prozesse sein oder schnelle Würfe, vergleichbar der Entstehung ihrer Tuschebilder, bei denen das Resultat eine gelungene Symbiose aus besonnenem, auf Erfahrung und Können beruhenden Aufbau und intuitivem, spontanen Pinselzug ist.

Konzentration auf das Wesentliche, Prägnanz und äußerste Reduktion der Mittel bei größtmöglicher Dichte zeichnen die Arbeiten von Esther Naused aus. Sie belassen den Betrachter in einem Zwischenraum, einem Erfahrungs- und Interpretationsraum höchster Intensität.

Esther Naused, geboren 1960 in Hamburg, studierte Freie Kunst bei Prof. Gotthard Graubner an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Esther Naused lebt und arbeitet in Hamburg.

Carolyn Heinz