Frauke Moreno über Zwischenräume, 2010

Wasser und Farbpigmente, in einmal mehr und einmal weniger gesättigten Lösungen: das sind die bescheidenen Grundsubstanzen, aus denen Esther Nauseds Bildwelten bestehen.

Aus dem Zusammenspiel von kompakteren und transparenteren Farbflächen, aus breiteren und schmaleren Pinselstrichen entstehen Bildräume, deren Topographie geheimnisvoll bleibt. Es sind häufig weder landschaftliche Außenräume noch architektonische Innenräume, sondern undefinierbare Grenzbereiche, in denen ein verschwörerisches Zwielicht herrscht.

Trotz des hohen Abstraktionsgrades der Form entfaltet sich hier eine Bildwelt dichter Metaphorik. Von Haus aus unruhige Bewohner von Zwischenräumen (zwischen Außen und Innen, Gestern und Morgen, Leib und Seele) , finden wir in diesen Bildern Motive vor, die mit Grundthemen unserer Existenz vielfältig korrespondieren.

Suchen wir nicht ohnehin in jeder noch so abstrakten Vorlage, in jeder noch so strengen Signatur Hinweise auf die Theatralik des Lebens? Esther Nauseds Bilder sind, so spürt man, Destillate eines langen Prozesses, und Ergebnisse einer Suche nach Quintessenzen.

Die Regeln ihrer Kunst sind vielleicht vergleichbar mit denen der japanischen Haiku-Dichtung: äußerste Knappheit der Form bei größtmöglicher inhaltlicher Dichte, wobei das Inhaltliche nicht im Gegenständlichen zu suchen ist.

Alles Überflüssige wird vermieden, auf jedes Beiwerk verzichtet, zugunsten einer Bildgestaltung, die durch lakonische Schönheit besticht.

Frauke Moreno